Beruflicher Neubeginn in Deutschland unter schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und ohne Schwerbehindertenausweis

Im Jahr 2002 veränderte sich meine persönliche Lebenssituation grundlegend. Gleichzeitig befand sich Deutschland seit Beginn der 2000er-Jahre in einer wirtschaftlich schwierigen Phase.

In dieser unsicheren Zeit zog ich aus einem europäischen Land nach Deutschland. Bereits damals war absehbar, dass ein beruflicher Neustart unter diesen Bedingungen nicht einfach werden würde, zumal aus meinem Herkunftsland keine mit dem deutschen Schwerbehindertenstatus vergleichbare Anerkennung vorlag.

Im ersten Jahr in Deutschland war ich arbeitssuchend. Aufgrund bestehender zwischenstaatlicher Regelungen wurden meine zuvor im Ausland geleisteten Arbeitsjahre in Deutschland anerkannt, sodass ich Anspruch auf Arbeitslosengeld hatte.

Über eine Zeitarbeitsfirma erhielt ich anschließend eine zunächst befristete Anstellung in der Buchhaltung eines großen Unternehmens. Aus der ursprünglich befristeten Tätigkeit entwickelte sich eine mehrjährige Beschäftigung, bis der Standort des Unternehmens geschlossen wurde und ich erneut arbeitssuchend war.

Positiv war, dass mir die Zeitarbeitsfirma später eine weitere Tätigkeit im Finanzwesen vermittelte. Auch diese Beschäftigung war zunächst befristet und wurde anschließend nicht verlängert.

Nach mehreren Jahren in Deutschland und verschiedenen beruflichen Stationen war ich erneut auf Arbeitssuche. In einem Gespräch empfahl mir meine Arbeitsvermittlerin bei der Agentur für Arbeit, einen Schwerbehindertenausweis (SB) zu beantragen, da sich hierdurch zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten eröffnen könnten.

Diese Entscheidung fiel mir zunächst nicht leicht, da meine bisherigen beruflichen Schritte auch ohne Schwerbehindertenausweis möglich gewesen waren. Gleichzeitig wuchs mein Wunsch nach einer langfristigen beruflichen Perspektive, sodass ich diesen Schritt schließlich ging.

Nachdem ich meinen neuen Status als schwerbehinderter Mensch meinem langjährigen beruflichen Ansprechpartner (Zeitarbeit) mitgeteilt hatte, erhielt ich eine ablehnende Rückmeldung. Diese Reaktion traf mich persönlich sehr und hinterließ ein Gefühl der beruflichen Ausgrenzung.

Trotz dieses Rückschlags fand ich erneut eine Anstellung – diesmal ohne Unterstützung einer Zeitarbeitsfirma, allerdings wiederum mit einem befristeten Arbeitsvertrag.

In einer späteren Phase der Arbeitssuche ermöglichte mir die Agentur für Arbeit schließlich eine mehrjährige Weiterbildung im Bereich Steuer- und Personalwesen. Ausschlaggebend war unter anderem, dass ich Zeiten der Arbeitslosigkeit stets aktiv genutzt hatte (Praktika, Fortbildungen, usw).

Mit den neu erworbenen fachlichen Kenntnissen fühlte ich mich beruflich in Deutschland endgültig angekommen.

Aktuell habe ich zudem einen Antrag auf Neubewertung meines Grades der Behinderung sowie auf die Zuerkennung eines Merkzeichens gestellt.

Persönliches Fazit

Wirtschaftliche Krisen und Veränderungen hat es immer gegeben. Auch die heutige Zeit ist für viele Menschen von Unsicherheit geprägt.

Deshalb möchte ich allen, die sich beruflich aktuell in einer schwierigen Situation befinden, Mut, Ausdauer und Zuversicht zusprechen.

Aus eigener Erfahrung möchte ich insbesondere jüngeren Menschen Mut machen: Wenn die erste Ausbildung langfristig nicht ausreicht, um den Lebensunterhalt zu sichern, können eine zweite Ausbildung oder eine Weiterbildung neue Perspektiven eröffnen.