Erfahrungsbericht Achondroplasie
Meine Eltern erfuhren ungefähr in meinem ersten Lebensjahr, dass ich kleinwüchsig bin. Ich begann etwas später zu laufen und hatte in meiner Kindheit häufig mit Mittelohrentzündungen zu kämpfen.
Zum Glück durfte ich eine reguläre Schule besuchen – was damals nicht selbstverständlich war. Dafür haben sich meine Eltern sehr eingesetzt.
Ich hatte eine schöne Kindheit. In der Nachbarschaft gab es viele Kinder, mit denen ich ganz selbstverständlich gespielt habe.
Mit der Pubertät wurde jedoch immer deutlicher, dass ich anders bin als die meisten anderen. Beim Sport wurde ich zum Beispiel oft als Letzter gewählt, weil ich nicht so schnell rennen konnte. Auch im zwischenmenschlichen Bereich wurde mir bewusst, dass vieles nicht so selbstverständlich war wie für andere. Während viele Gleichaltrige erste Beziehungen führten, fiel es mir schwer, eine Freundin zu finden. Das hat mich in dieser Zeit beschäftigt und verunsichert. Heute lebe ich jedoch in einer festen und glücklichen Partnerschaft.
Nach dem Abitur entschied ich mich für ein technisches Studium und konnte damit den Weg einschlagen, der mich wirklich interessierte. Zwischenzeitlich hatte ich auch über ein duales Studium, beispielsweise im Bereich Mechatronik, nachgedacht. Den Einstellungstest und auch die praktischen Übungen bestand ich erfolgreich. Trotzdem traute man mir den Beruf körperlich nicht zu.
Dieses fehlende Zutrauen begleitet mich leider bis heute in vielen Lebensbereichen. Oft habe ich das Gefühl, als kleinwüchsiger Mensch mehr leisten zu müssen als andere, um anerkannt zu werden. Auch im Berufsalltag merke ich manchmal, dass Gespräche zunächst mit den „Großen“ geführt werden und ich erst später einbezogen werde. Das empfinde ich als schade. Ich wünsche mir mehr Teilhabe und Chancengleichheit für alle Menschen.
Im Erwachsenenalter kamen zusätzlich Rücken- und Gehprobleme hinzu. Zeitweise kann ich nur kurze Strecken ohne größere Beschwerden zurücklegen. Was mir hilft, sind regelmäßiges Fahrradfahren und Physiotherapie.
Beim VKM habe ich Gleichgesinnte und andere Betroffene kennengelernt. Der Austausch tut gut. Dort fühle ich mich wohl und kann einfach ich selbst sein. Das bedeutet mir viel.